Mittwoch, 19.11.2025 , 18:00 Uhr bis 19:00 Uhr
Magister Johannes Müller de Rastetten: Gab es 1480 eine Druckerwerkstatt in Rastatt? – Buchdruck am Oberrhein: von Basel bis Heidelberg?
Kurzbeschreibung
Die Oberrheinregion war schon seit dem Mittelalter eine Kulturlandschaft. Bereits um die Mitte des 12. Jahrhunderts wurde sie von Bischof Otto von Freising in der vielgelesenen Biografie Kaiser Friedrichs II. als die vis maxima regni – die größte Kraft des Reichs – bezeichnet. Zahlreiche Künstler und Schriftsteller wirkten hier und fanden in dieser Gegend ihre Inspiration. Die Verhältnisse in den Städten mit Universitäten und in den freien Reichsstädten boten ihnen dafür die materiellen und ideellen Grundlagen. Auch die Erfindung des Buchdrucks mit beweglichen Lettern durch Johannes Gutenberg erhielt hier entscheidende Anstöße.
Beschreibung
Basel, Colmar, Freiburg, Hagenau, Heidelberg, Mainz, Molsheim, Mulhouse, Offenburg, Schlettstadt, Speyer, Straßburg, Worms – allesamt größere oberrheinische Städte, in denen sich seit der Erfindung des Buchdrucks nach und nach ab dem Ende der 1450er Jahre Druckerwerkstätten etabliert hatten.
Ein Name fehlt jedoch – nämlich der von Rastatt: Verschiedentlich wurde in der Vergangenheit die Auffassung geäußert, dass es auch in Rastatt um 1480 eine Inkunabeldruckerei bzw. eine Buchbindewerkstatt gegeben habe. Dabei wurde immer wieder der ca. 1445–1448 geborene Rastatter Humanist Johannes Müller oder, wie er sich latinisierend nannte, Johannes Molitor (Molitoris) als Kronzeuge ins Feld geführt, dass in dessen Umfeld die Druckrei entstanden sein könnte. Eine weitere Person, die in dieser Frage gelegentlich genannt wurde, ist der in Pforzheim geborene Autor geistlich-philosophischer Schriften und Drucker und spätere Prediger Bartholomäus Westheimer (1504–um 1567 oder Anfang 1568), dessen Druckerzeugnisse zwischen 1536 und 1547 nachweisbar sind. Dieser hatte sich 1525 bzw. wohl ein weiteres Mal um 1526/27 in Rastatt aufgehalten, was Anlass zur Vermutung gab, auch er könnte mit einer Rastatter Druckerei in Verbindung stehen.
Der Bibliotheksleiter Dr. Uli Steiger eröffnet seinen Vortrag zunächst mit einer knappen allgemein Betrachtung des Buchdrucks am Oberrhein in seinen Anfängen und stellt in einem kursorischen Durchgang die bekanntesten Drucker und deren Werkstätten vor, bevor er sich anschließend der zentralen Frage nach einer Inkunabeldruckerei bzw. Buchbinderwerkstatt in Rastatt selbst widmet. Welche Rolle spielte Rastatt und der von hier stammende Humanist Johannes Müller hinsichtlich der Druckerwerkstätten in dieser Zeit? Wie ist der Drucker Bartholomäus Westheimer einzuordnen? Mit Hilfe der bisher zugänglichen Quellen versucht der Referent eine Beantwortung der im Vortragstitel gestellten Frage.
Der Vortrag am 19. November 2025 beginnt um 18:00 Uhr im Bibliothekssaal der Historischen Bibliothek im Ludwig-Wilhelm-Gymnasium. Der Eintritt ist frei; eine Anmeldung ist nicht nötig.
Weitere Informationen zu den Veranstaltungen erhalten Sie Tel. 07222 / 972 8420 (Mo bis Mi) oder auf unserer Homepage hier.

